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...bernd...

Mittwoch

jaa... ich habe schon wieder lange, lange nichts zu "papier" gebracht... vielleicht gibt es dafür gründe, vielleicht auch nicht... das ist eigentlich egal...
wichtig ist, dass ich mich wiedermal an die plastiktasten heranwage und diese auch fleissig malträtiere um euch eine geschichte zu erzählen...

und zwar die geschichte vom bernd moser...

es ist nun schon eine weile her, als bernd moser sich ein herz fasste und sich ausnahmsweise zu fuss durch die strassen bewegte... dies tat er deshalb, weil er gehört hatte, es sei gesund, so herumzuwatscheln, auch wenn er das kaum glauben konnte...
bernd war eigentlich ganz zufrieden mit sich und seinem leben... er hatte es weit gebracht, hatte ein grosses haus, lebte alleine, hatte zwei autos, einen, wie er es nannte, vernünftigen job (er war manager einer grossen firma) und die frauen flogen auf ihn, wie wespen an einem heissen sommertag auch ein honigbrot... wie gesagt war er zufrieden mit sich und so ging er auch zufrieden vor sich hin lächelnd und mit einer zigarre im mund durch die sonnen durchflutenden strassen der stadt...
da er sich nicht allzu oft unter das alltäglich auf den gehwegen verkehrende volk begab, beobachtete er seine mitmenschen mit interesse... so kam er auch bald an einer gruppe jugendlicher vorbei, die ihm sofort ins auge stach und die er mit interesse beäugte... es waren etwa zehn junge männer, die sich in einem kreis aufgestellt hatten und gröhlten und johlten, ab und zu mit den fäusten in die luft stiessen und dinge wie "Ja, gibs ihm!" oder "boaa, hast du das gesehen?!" riefen... sein interesse wuchs und er verlangsamte den schritt um zu sehen, was sich wohl in der mitte des kreises abspielte... der gehweg war voll von menschen, doch es schien sich niemand um die gruppe zu kümmern... er kam näher und sah, dass inmitten des kreises der johlenden zwei der jungen männer einander prügel austeilten... doch schon nach einem zweiten blick wurde ihm klar, dass hauptsächlich der eine - ein grosser, breitschultriger typ - den anderen - ein etwas zu kurz und zu breit geratenen blondschopf - verprügelte... der blonde stürzte in dem moment zu boden, als bernd etwa auf der höhe der gruppe war, was diese mit grossem freudengeschrei quittierte, was wiederum den hünen dazu anspornte, weiter in den auf dem boden liegenden leib des anderen einzutreten...
bernd senkte den kopf und ging schnell weiter... "die jugend von heute", dachte er sich, "da greife ich sicher nicht ein... der blonde wird schon was verbrochen haben und wahrscheinlich ist die ganze sache gar nicht so ernst... sicher wieder eine dieser versteckten kameras... nee nee denen gehe ich gar nicht erst auf den leim... aber was wenn nicht? schon schlimm sowas, irgendjemand sollte dem armen jungen doch helfen..." doch bernd spazierte weiter...
an der nächsten ecke kam eine frau auf ihn zu... ihre kleider waren zerschlissen und starrten vor dreck... ihrem gesicht waren spuren von gewalt anzusehen, doch bernd übersah diese... ihr haar war fettig und sie strich es sich aus dem gesicht und fragte ihn ganz freundlich, jedoch mit einer etwas zittriger und unsicherer stimme, ob er ihr wohl etwas kleingeld hätte... er ignorierte und ging an ihr vorbei, als ob sie luft wäre... sie blieb verdattert stehen... "die arme frau!", dachte bernd, "irgendjemand sollte ihr helfen und schauen dass sie was zu essen und eine arbeit bekommt" doch bernd zog an seiner zigarre und spazierte weiter...
er bog in eine nebenstrasse ein, die er von früher kannte und die zum bahnhof führte... hier war es ruhiger, dafür auch um einiges heruntergekommener... es war eine kleine nebenstrasse, fast mehr eine gasse, welche links und rechts von hohen häusern, die dicht an dicht standen, gesäumt wurde... bernd hatte ein etwas unbehagliches gefühl im magen bei dem anblick und so beschleunigte er seine schritte ein wenig... als er an einem hauseingang vorüberging, sah er aus den augenwinkeln, dass da jemand hockte und als er den kopf drehte um nachzusehen, erblickten seine augen einen mann von vielleicht 30 jahren, wie er da in zerschlissenen jeans und leerem blick da sass und sich kaum bewegte... der mann hatte die hemdsärmel hochgekrempelt und bernd konnte die einstiche der nadeln sehen... "uuäää ein dreckiger junkie, auch das noch... irgendjemand sollte solchen leuten doch helfen!", dachte bernd und ging weiter...
die kleine nebenstrasse mündete nach einer weile wieder in die grosse hauptstrasse und nun musste er nur noch über die brücke, welche über einen breiten fluss führte, gehen und er war am bahnhof... auf der brücke standen schwere baumaschinen denn es wurde gebaut... doch jetzt war kein bauarbeiter zu sehen, schliesslich war ja sonntag... an einer stelle war das brückengeländer weggerissen worden und provisorisch wurde der abgrund von einer holzplanke versperrt... wegen den baumaschinen war hier nur sehr wenig platz und als bernd die geländerlose passage passierte, kam ihm ein breitschultriger mann entgegengerannt und rempelte ihn an... darauf war bernd überhaupt nicht gefasst und er kippte seitwärts über die holzplanke und wäre beinahe ins wasser gestürzt, doch er konnte sich im letzten moment noch irgendwie am rand festkrallen... so hing er nun da... unter ihm die reissende strömung und über ihm der dicht begangene gehweg... es lief ihm eiskalt den rücken hinab...
"HILFEE!! ZU HILFE!!", schrie er, "so helft mir doch! ich kann nicht schwimmen! HILFE!"
doch die leute gingen einfach an ihm vorbei... eine frau schaute kurz zu ihm hinab und sie blickte ihn etwas schockiert an während sie dachte:"meine güte! der arme mann wird ins wasser stürzen und ertrinken wenn ihm nicht bald jemand hilft... aber ich muss unbedingt zum zahnarzt, schliesslich habe ich jetzt schon 15 minuten verspätung..." und so ging sie weiter...
bernd war verzweifelt, er konnte sich nicht mehr lange halten... seine arme wurden taub und er spürte wie er langsam mit seinen fingern abrutschte... schliesslich war es geschehen um ihn... er rutschte ab und fiel ins wasser... er tauchte unter, strampelte mit den beinen, kam noch ein zwei mal hoch, schlug sich schliesslich durch die strömung an einem stein den kopf an und ging bewusstlos unter... drei tage später fand man seine leiche...
als der polizist den bericht las, wie sich der unfall aller wahrscheinlichkeit nach zugetragen hatte, schüttelte er den kopf und dachte:"der arme tropf... warum hat ihm bloss niemand geholfen?"
dann legte er den fall zu den akten...
21.6.06 17:50


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